Das Klapperfeld als Abschiebeknast

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Seit den 1980er Jahren wurde das Klapperfeld bis zur Schließung im Jahre 2002 nicht mehr nur als Gewahrsam sondern auch als Abschiebeknast genutzt. Die durch den Staat illegalisierten Menschen waren im Unterschied zu anderen Inhaftierten nicht nur einige Tage im Klapperfeld inhaftiert, sondern mitunter mehrere Monate. Aus vielen verschiedenen Städten wie Würzburg und Berlin wurden Abschiebehäftlinge in das Klapperfeld gebracht. Sie sollten vom Frankfurter Flughafen in verschiedene Länder abgeschoben werden. Bis der Flug jedoch feststand, wurden die Abschiebehäftlinge unter miserablen Bedingungen in viel zu kleinen und dunklen Zellen inhaftiert. Auch wurden Sammelzellen für die Inhaftierung von mehreren Abschiebehäftlingen genutzt.

Nach Ankunft im Gefängnis Klapperfeld wurden Personalien aufgenommen, ein Gesundheitscheck durchgeführt und Bettwäsche, ein Stück Seife und ein Handtuch ausgehändigt. Dann wurden die Häftlinge in eine Zelle geführt. Bei Bedarf wurde auch eine Zahnbürste, Zahnpaste und Babywindeln ausgegeben.

In der Zelle angekommen, konnten die Inhaftierten nur durch Hämmern an die  Zellentür auf sich aufmerksam machen. Ein im Trakt befindlicher Beamter sollte im Normalfall darauf reagieren. Eine andere Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, gab es nicht, auch nicht wenn es sich um einen medizinischen Notfall handelte. Hofgang wurde am Tag nur 15 Minuten gewährt. Doch gibt es auch Quellen, die einen generellen Hofgang verneinen.

Sammelzelle im zweiten Stock, 2001
Sammelzelle im zweiten Stock, 2001 (Quelle: Michael Steiniger, Frankfurt a. M. (Aus: Gewahrsam. Räume der Überwachung; Hrsg. Arne Winkelmann und Yorck Förster; Kehrer Verlag Heidelberg und Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt a. M., 2007))

In der Reportage »Abgeschoben«, die am 13. Januar 1984 in der Zeitung »Die Zeit« erschienen ist, wird  die Abschiebehaft im Klapperfeld folgendermaßen beschrieben:

»... Die Abschiebepraxis sieht dann so aus: Am Klapperfeld 5, Polizeigewahrsam in Frankfurt. Vor den Fenstern Sichtblenden. Hinter tristem Gemäuer aus dem Jahre 1886 fünfzehn Häftlinge, Afrikaner und Araber ›Alles Kriminelle‹, sagt Polizeioberkommissar Joachim Jacob. Diejenigen, die gegen das Ausländergesetz verstoßen haben, zählt er dazu.

Die Häftlinge sitzen minimal zwei oder drei Tage, maximal sieben oder acht Monate. Wie kommen die längeren Haftzeiten zustande? Oft vergehen Monate, bis die Herkunft eines Häftlings geklärt ist; Manchmal lehnen Staaten es ab einen ihrer Staatsbürger aufzunehmen, Polizeidirektor Heinz Vogel berichtet wie ein Häftling dreimal in Begleitung von zwei Beamten nach Dakar ausgeflogen und jedes mal zurückgeschickt wurde. Beim dritten Mal kam er alleine zurück, statt seiner hatte man die Beamten in Dakar festgehalten.

Wer am Klapperfeld wieder herauskommt, kann sich glücklich preisen. Die Einzelzellen für die Nacht sind schmale Schläuche: wenig Licht, Klo, Eisenbett, ein Häufchen Zeug auf dem Fußboden, all das auf 145 mal 370 Zentimeter.

In einer Gemeinschaftszelle eine Gruppe Ausländer, sieben oder zehn. Die Wände olivfarben, schmale Holzbänke davor. Sonst nichts. Da ist Mohammed Hadad (32) Libanese, Vater von vier Kindern, der schon zwei Monate hier sitzt, weil sein Paß abgelaufen ist; da ist El Hanniche Abdel Kader (23), ein Marokkaner mit einem Kindergesicht; da ist der staatenlose Majed Wäked (24), der schon dreimal den Abflug in den Libanon verweigert hat, weil er in den Jemen will. Von Berlin kommen das nächste Mal zwei Beamte und fliegen mit ihm aus.

Alles wäre besser, als sie hier sitzen zu lassen, Stunde um Stunde, Tage, Monate in der Düsternis - kein Spiel keine Zeitung, keine Karten, kein Radio, kein Fernsehen kein Hofgang, nichts, nur acht Menschen in einer nackten, fast dunklen Zelle. Jeder weiß: Die da drinnen sind Gepäckstücke, Luftfracht auf Abruf. Einer der Beamten sagt: ›Wir verwahren eben bloß.‹«

Für die Flüchtlinge bedeutet die Abschiebung in der Regel den Weg in Armut, Verfolgung, Folter, Krieg oder gar den Tod.

Sprache

Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)

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