»Evakuierung« der Gefängnisse

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Als im März 1945 die amerikanischen Truppen in die Nähe von Hessen kamen und den Rhein überschritten, entschlossen sich die Nazis, ihr Quartier von Wiesbaden und Frankfurt in das Arbeitserziehungslager Hirzenhain im Vogelsberg zu verlegen.

Zunächst vernichtete die Geheime Staatspolizei (Gestapo) tausende von Akten. Die Inhaftierten in der Frankfurter Gestapo-Zentrale sollen, einem Zeugenbericht zufolge, alle ermordet worden sein.
Den Angehörigen der Gestapo wurden falsche Kennkarten und Personalausweise ausgehändigt, damit sie sich getarnt auf die Flucht begeben konnten. In der Zeit vom 15. bis 18. März 1945 flüchteten Mitglieder der Gestapo aus Frankfurt in Richtung Hirzenhain.

Das dortige Arbeitserziehungslager sollte vor dem Eintreffen der Nazis geräumt werden.

In der Nacht vom 23. auf den 24. März 1945 wurden 49 Frauen aus dem Polizeigefängnis Klapperfeld mit der Bahn in das Arbeitserziehungslager in Hirzenhain auf dem Gelände der Breuer-Werke verschleppt. Auf dem Weg zum Lager konnten fünf Frauen fliehen. Die übrigen 44 wurden, vermutlich wegen der Überfüllung der Baracken, in den Wasserturm auf dem Gelände des Lagers gesperrt. Die zur Zwangsarbeit nach Frankfurt verschleppten Frauen kamen aus Russland, Polen, Frankreich, Luxemburg und Deutschland.

Am 26. März 1945 wurden die Frauen zu einem vermeintlichen »Entlassungstransport« gesammelt, welcher angeblich nach Büdingen gehen sollte. Begleitet von vier oder fünf SS Männern brachte man die Frauen jedoch nicht nach Büdingen sondern in Richtung Glashütten.

In einem Waldstück nahe des Ortsausgangs von Hirzenhain hatten am Vortag Häftlinge auf Anweisung der SS eine Grube ausgehoben. Es wurde behauptet, dort solle ein Benzinlager angelegt werden.

Die 44 Frauen wurden von der Gestapo zu der Grube gebracht und erschossen. Wenig später fand die Ermordung weiterer Inhaftierter aus dem Arbeitserziehungslager an eben dieser Grube statt. Insgesamt ermordete die SS an diesem Tag 87 Frauen und Männer.

Am 25. März 1945, einen Tag nach der Verschleppung der Frauen aus dem Polizeigefängnis nach Hirzenhain, wurden alle Frankfurter Gefängnisse geräumt und die Insassen auf einen langen Fußmarsch in den Tod geschickt.

Ein Zeuge berichtet:

»Wir wurden zu etwa 200 Mann aus allen Frankfurter Gefängnissen gesammelt und zum Ostbahnhof nach Hanau transportiert. Wir wurden gefesselt zu Fuß nach Aschaffenburg gebracht. Wir kamen aber nicht ganz nach Aschaffenburg. Wir wurden in Richtung Alzenau geschleppt. Wir kamen in einen Wald … und ich entkam. Über den Verbleib der anderen Gefangenen behaupten die Amerikaner, es seien 150 Tote gefunden worden. Von diesem ganzen Transport habe ich niemand in Frankfurt getroffen…«

Am 29. März 1945 befreiten die amerikanischen Truppen Frankfurt am Main.

Luftaufnahme der östlichen Innenstadt, ca. 1945Luftaufnahme der östlichen Innenstadt, ca. 1945: In der Mitte der linken Bildhälfte ist das Polizeigefängnis zu sehen. Im Gegensatz zum alten Polizeipräsidium ist dieses nur leicht zerstört worden. Quelle: Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main (Aus: Gewahrsam. Räume der Überwachung; Hrsg. Arne Winkelmann und Yorck Förster; Kehrer Verlag Heidelberg und Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt a. M., 2007)

Quellen: Adolf Diamant: Gestapo Frankfurt a. M., Frankfurt 1988 | Michael Keller: »Das mit den Russenweibern ist erledigt«. Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Massenmord und Bewältigung der Vergangenheit in Hirzenhain 1943-1991, Friedberg 1991

Sprache

Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)

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