Pressespiegel

Gekommen, um zu bleiben

Artikel vom:
28.01.2009
Quelle:
Frankfurter Rundschau (FR)
Autor:
Georg Leppert
Kategorie:
Zeitung

Seit einem halben Jahr macht »Faites votre jeu« von sich reden

Michael Damian spricht Klartext. »Das sind keine Chaoten, sondern Menschen, mit denen man reden kann«, sagt der Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) über die Mitglieder der Initiative »Faites votre jeu«. Und Damian muss es wissen, denn geredet hat er mit den jungen Kunst- und Kulturschaffenden in den vergangenen Monaten ziemlich häufig.

Es war der Abend des 2. August vorigen Jahres, als die Gruppe erstmals von sich reden machte. Sie lud zu einer Party ins Haus Varrentrappstraße 38 ein. In jenes Gebäude, das seit sieben Jahren leer stand und zuletzt als selbst verwaltetes Jugendzentrum (Juz) genutzt wurde. Die Hausfassade war mit Graffiti bemalt. Nur die Gedenktafel für Günther Sare, der 1985 bei einer Demonstration gegen die NPD im Gallus von einem Wasserwerfer überrollt und getötet wurde, hatte die ganzen Jahre über nichts abbekommen.

Gekommen, um zu bleiben – dieses Motto wählte der harte Kern von »Faites votre jeu«. Als die Party vorbei war, gingen einige der jungen Leute einfach nicht, sondern erklärten das Haus für besetzt. Fortan nutzten sie es für Kunst- und Kulturprojekte aller Art. Bilder, Lichtinstallationen, Grafiken wurden im ehemaligen Juz hergestellt und gezeigt.

Ein offenes Haus sollte die Liegenschaft sein, betonten die Besetzer. So baten sie zu einer Pressekonferenz mit Sektempfang nicht nur Journalisten, sondern luden die gesamte Nachbarschaft per Transparent dazu ein.

Viele Anwohner allerdings sahen das ganze Unterfangen kritisch. Vor allem an den Partys, die »Faites votre jeu« regelmäßig veranstaltete, störten sich die Nachbarn. Immer wieder gingen bei der Polizei Anzeigen wegen Ruhestörung ein.

Zudem wissen einige Bockenheimer nicht viel anzufangen mit den Menschen, die das einstige Juz nutzen. Die meisten von ihnen sind Studenten, fast alle engagieren sich politisch in der linken Szene. Die Eingangstür zieren Aufkleber gegen den Flughafenausbau, an einer Pinnwand hängt das Foto eines Mannes, den die Besetzer bei Demonstrationen als Zivilpolizisten ausgemacht haben wollen.

Doch die Polizei interessierte sich zunächst kaum für das Juz. Aus dem Präsidium hieß es: Ohne Räumungstitel werden wir nicht tätig. Nur einmal, am Wahlsonntag, tauchten zahlreiche Mannschaftswagen vor dem Gebäude auf. Bei dem Einsatz sei es darum gegangen, ein nahe gelegenes Wahllokal vor Autonomen zu schützen, teilte die Polizei mit. Matthias Schneider, Sprecher der Besetzer, nannte den Einsatz hingegen eine Provokation.

Immer wieder wehrte sich die Initiative dagegen, dass ihre Interessen gegen die der benachbarten Schule für Mode und Bekleidung ausgespielt werden sollten. Die Stadt hatte das besetzte Haus der Berufsschule als Erweiterungsbau zugesagt. »Hätten wir das gewusst, hätten wir das Gebäude nicht besetzt«, sagte Matthias Schneider stets.

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