Pressespiegel

Nazis im Briefkasten

Artikel vom:
27.08.2011
Quelle:
Frankfurter Rundschau (FR)
Autor:
Stefan Behr
Kategorie:
Zeitung

Ungewöhnliche Post: Die Antifa outet mit Flyern rechte Aktivisten – deren Nachbarn im Nord- und Ostend sowie in Bornheim sind überrascht.

Es war eine ungewohnte Post, die etliche Bewohner des Nord- und Ostends sowie Bornheims am Freitag früh in ihrem Briefkasten fanden. »Sehr geehrte Anwohner_innen, liebe Nachbar_innen: Das sind die Nazis in eurer Nachbarschaft«, informierte der Flyer der »Antifaschistischen Stadtteilgruppe Bornheim/Nordend«. Darunter: drei Fotos, auf denen die Nachbarnazis deutlich zu erkennen sind, sowie der volle Name einer Aktivistin aus dem ultrarechten Spektrum.

Es gelte, schreibt die Antifa, »sich diesen Menschen mit den verschiedensten Mitteln in den Weg zu stellen«. Betreiber von Cafés und Geschäften sollten von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und den Nazis zeigen, wo der Zimmermann die Tür gelassen habe.

»So ein Outing ist immer ein massiver Eingriff in die persönlichen Rechte«, sagt ein Sprecher der Antifa, der sich szeneüblich Christian Linden nennt. Es handele sich aber um eine notwendige Reaktion auf »die ganz konkrete Bedrohungslage durch Nazis, die auch in Frankfurt immer besser vernetzt sind«. In jüngster Zeit hätten nicht bloß Nazi-Schmierereien im von linken Gruppen genutzten Klapperfeld zugenommen. Auch im eher als friedlich geltenden Bornheim komme es immer öfter zu Bedrohungen von Linken und Migranten. Eine junge Frau mit dunkler Hautfarbe, so steht es auch im Flyer, sei von den Nazis mit einem Messer bedroht worden. Diese Vorfälle häuften sich in jüngster Zeit, die Polizei subsumiere sie – falls überhaupt – unter der Rubrik »Schlägereien unter Jugendlichen« – Behauptungen, die Polizeisprecher Jürgen Linker auf Anfrage nicht bestätigen konnte.

Für Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, bewegt sich der Flyer in einer juristischen Grauzone. Er enthalte keinen expliziten Aufruf zur Gewalt.

Die Personen, um die es geht, könnten auf ihr Recht am eigenen Bild pochen – zeigten die Fotos nicht zumindest in zwei Fällen eindeutig Bilder, die von einem öffentlichen Nazi-Aufmarsch stammen. Möglich wäre es auch, dass sich die Betroffenen durch den Begriff »Nazi« beleidigt fühlen und Strafanzeige stellen – beides mehr als unwahrscheinlich.

Einen ähnlich gelagerten Flyer über Kinderschänder in der Nachbarschaft würde die Antifa nach Auskunft Lindens übrigens keinesfalls gutheißen.

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