Pressespiegel

Ein Film wider das Vergessen

Artikel vom:
06.08.2011
Quelle:
Frankfurter Neue Presse (FNP)
Autor:
Holger Vonhof
Kategorie:
Zeitung

»Stadtteil-Historiker« Boris Schöppner dreht einen Dokumentarstreifen über den Antifaschisten Johann Holler

Johann Holler war ein Außenseiter. Der Journalist Boris Schöppner dreht derzeit einen Dokumentarfilm über den Mann, der an der Nidda in Sossenheim Nutrias züchtete.

Boris Schöppner und Kameramann Mario Morales filmen auf dem Dach des Höchster Klinikums
Boris Schöppner und Kameramann Mario Morales filmen auf dem Dach des Höchster Klinikums aus Bilder für eine Dokumentation über Johann Holler, einem Nazi-Verfolgten, der an seinem Rückzugsort im Sossenheimer Unterfeld immer als Sonderling galt. Foto: Maik Reuß

Frankfurt. Vom Dach des Klinikums Höchst bietet sich ein guter Blick über das Sossenheimer Unterfeld, die Nidda und ihre Altarme. Deswegen sind Boris Schöppner und die Kameraleute Elmar Schmid aus Sulzbach und Mario Morales aus Frankfurt dort hinaufgestiegen. Schöppner dreht gerade einen Dokumentarfilm über Johann Holler (1912–1990), den Mann, nachdem der Holler-Altarm rechts der Nidda benannt ist. Schöppner, bis Anfang dieses Jahres Redakteur beim Kreisblatt in Höchst und nun bei der »Taunus Zeitung« für Kronberg zuständig, fasziniert das Schicksal des Mannes, der für seine Überzeugung unter den Nazis gelitten hat. Er macht beim diesjährigen Projekt »Stadtteil-Historiker« der Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit, um das Leben von Johann Holler, der für die, die ihn nur flüchtig kannten, immer ein Sonderling geblieben ist, zu erforschen.

Holler wurde mit 21 Jahren von den Nazis in Köln festgenommen. Die Gestapo schlug dem Antifaschisten und Kommunisten den Schädel ein. Er überlebte, wurde zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 befreiten ihn die Amerikaner aus dem Zuchthaus Butzbach. Holler, damals 33 Jahre alt, wurde eingeteilt, bei der Entnazifizierung der Banken in Frankfurt zu helfen. Im Kalten Krieg servierten ihn die Amerikaner wieder ab; er verlor seine Wohnung am Opernplatz. Nun siedelte er sich am Nidda-Altarm an und begann, Nutrias zu züchten. 1957 musste er nach dem Verbot der KPD wieder für einige Wochen ins Gefängnis. Der dreifache Familienvater litt zeitlebens unter den Verletzungen, die ihm die Nazis zugefügt hatten.

Interviews mit Zeitzeugen

Schöppner hat die Lebenserinnerungen Hollers ausgewertet, seine Briefe aus dem Gefängnis gelesen. Für seinen Film interviewte er nun eine Enkelin Hollers und sprach mit Zeitzeugen, die Holler noch gekannt haben, etwa mit Hermann Krüger aus Nied, dessen Familie ebenfalls von den Nazis verfolgt worden war.

Johann Holler
Johann Holler

Das Bildmaterial, das Schöppner vom Dach des Klinikums aus aufnahm, dient dazu, Ortswechsel zu verdeutlichen, denn gedreht wurde auch in Köln, Aachen und im Polizeigewahrsam Klapperfeld in der City. Aus dem niederländischen Grenzort Vaals holte Holler Arbeiterzeitungen nach Deutschland. In Brauweiler, einem Stadtteil von Puhlheim, saß er in demselben Lager, in dem auch der spätere Oberbürgermeister Walter Kolb und der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer inhaftiert waren.

Historisches Bildmaterial

»Mit dem Schwenk über das Sossenheimer Unterfeld zur Frankfurter Skyline stelle ich die Zuschauer darauf ein, dass nun Frankfurt der Schauplatz ist«, sagt Schöppner. Dieser Ortswechsel muss visuell umgesetzt werden, damit der Zuschauer folgen kann. Schöppner hat als begeisterter Fotograf den Blick für solche Dinge. In seinen Film arbeitet er auch historisches Bildmaterial ein, das ihm der Sossenheimer Hobby-Historiker Günter Moos und der Kelkheimer Militärhistoriker John Provan zur Verfügung gestellt haben. Der Film soll nach seiner Fertigstellung nicht nur zum Abschluss des Projekts der »Stadtteil-Historiker« gezeigt werden, sondern auch in Köln und in Butzbach. »Vielleicht haben auch der Volkshausverein in Sossenheim oder der Heimat- und Geschichtsverein Nied Interesse«, sagt Schöppner. Bis zum Februar will der den Film fertig geschnitten haben. hv

Wer weitere Informationen oder Bildmaterial zu Johann Holler hat, erreicht den Stadtteil-Historiker per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

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