Pressespiegel

Leserbrief: Kampf ums Klapperfeld

Artikel vom:
10.04.2010
Quelle:
Frankfurter Rundschau (FR)
Autor:
Karsten Bäcker
Kategorie:
Zeitung

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Im Gluckloch: Ausstellung im ehemaligen Knast. (Foto: Andreas Arnold)

Die Stadt will ehemaligen Polizeigewahrsam abreißen, FR vom 30. März

Ich selbst besuchte den ehemaligen Gewahrsam zum ersten Mal im August 2009, als die Initiative »Faites votre jeu« den ersten Teil der Dauerausstellung zur Gefängnishistorie eröffnete. Ich war nachhaltig davon beeindruckt, was die jungen Menschen von »Faites votre jeu« innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben. Seitdem war ich auch immer wieder auf verschiedensten Lesungen und Diskussionsveranstaltungen, im Klapperfeld. Es ist beeindruckend wie »Faites votre jeu« es schafft, diesen unwirtlichen Ort zu beleben und dabei trotzdem soviel Augenmaß und Verantwortung beim Umgang mit der Geschichte dieses Ortes beweist.

Auch wenn ich es von Edwin Schwarz als Planungsdezernent kaum anders erwartet hätte, wäre auch ihm ein wenig mehr Augenmaß angeraten. Dass er der Gruppe »Faites votre jeu«, die erst letztes Jahr in das Klapperfeld umziehen musste, fast schon gönnerhaft ein weiteres Ersatzobjekt anbietet ist eine bodenlose Unverschämtheit und lässt tief in sein geschichtspolitisches Bewusstsein blicken. Sollte es die Stadt aber ernst meinen, beim Innenstadtkonzept behutsam vorgehen zu wollen, wie es das Stadtplanungsamt in letzter Zeit immer wieder betonte, dann sollten die dafür Verantwortlichen schleunigst die Abrisspläne aus ihren Konzept streichen.

Mir wird schlecht bei der Vorstellung, dass jetzt das mehr als fragwürdige Projekt zum Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg zerstörten Frankfurter Altstadt für unzählige Millionen umgesetzt werden soll und gleichzeitig das Klapperfeld abgerissen werden soll. Ein vernünftiger und verantwortungsvoller Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit jedenfalls sieht anders aus. Leider scheint es aber mittlerweile an der Tagesordnung zu sein, diese mit nichts zu vergleichenden deutschen Verbrechen aus dem kollektiven Bewusstsein zu tilgen: Zum einen sollen die letzten Orte, an dem die Verbrechen Nazi-Deutschlands praktisch erfahrbar werden, abgerissen werden. Zum anderen will man das, was bei den Bombenangriffen der Alliierten zerstört worden war, um das Ende der zweiten Weltkriegs zu beschleunigen, wieder aufbauen.

Die Menschen der Initiative »Faites votre jeu« möchte ich bestärken, um das Klapperfeld zu kämpfen.

Karsten Bäcker, Frankfurt

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