Pressespiegel

Frau Tierärztin im Knast

Artikel vom:
24.02.2010
Quelle:
Frankfurter Rundschau (FR)
Autor:
Sandra Busch
Kategorie:
Zeitung

Hilfe für Vierbeiner

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Auch diesem Vierbeiner kann Maja Firlé (rechts) helfen. (Bild: FR/Mueller)

Ayk hat Haarausfall. Sanft streicht Tierärztin Maja Firlé dem Husky durchs Fell. Ein Büschel Haare bleibt in ihrer Hand. »Seit wann hat er das?« Firlé und blickt über den grauen Hunderücken hinweg Besitzerin Sylvia Zauner an. »14 Tage, aha.« Firlé wendet sich wieder dem Husky zu. Der siebenjährige Rüde sitzt geduldig auf dem kleinen Tisch im früheren Polizeigefängnis Klapperfeldstraße, lässt alles ohne Murren über sich ergehen »Sie müssen kämmen«, rät Firlé. »Jeden Tag.« Und ein spezielles Futter empfiehlt sie Zauner.

Nichts schlimmes also, Sylvia Zauner ist erleichtert. Bei ihrem zweiten Hund, Leica, sieht das ein bisschen anders aus. Entzündete Augen hat der Berner Sennenhund. Firlé reicht eine Salbe. Die ist umsonst. Wie auch die restliche Untersuchung. Denn Maja Firlé behandelt die Tiere von Armen und Obdachlosen gratis. Jeden ersten Samstag im Monat trägt sie ihre mobile Praxis in einem Köfferchen an die Hauptwache, jeden zweiten zur Klapperfeldstraße. Die Tiere werden geimpft, entwurmt und durchgecheckt. Bezahlen muss keiner. Darüber ist Sylvia Zauner froh: »Ich bekomme Hartz IV, da reicht das Geld oft nicht aus.« Für eine Impfung zum Beispiel. Oder eben den Besuch beim Tierarzt.

In ihrer Praxis in Bockenheim ist Firlé jeden Tag mit der Geldnot von Tierbesitzern konfrontiert. Und bei Spaziergängen durch die Innenstadt hat die 42-Jährige immer wieder kranke Hunde von Obdachlosen gesehen. »Bei deren tiermedizinischer Versorgung ist immer Geld das Problem - da dachte ich, als Tierärztin kann ich da doch was machen.«

Also gründete sie einen Verein, die Soziale Tier-Not-Hilfe. Aus Beiträgen und Spenden werden nun Behandlung und Medikamente bezahlt. Vornehmlich sind es Hunde, die Firlé untersucht. Aber nachdem sie seit vergangenem Herbst auch im Ex-Knast Station macht, kommen auch andere Vierbeiner. »An der offenen Hauptwache ist es schwierig, eine Katze zu behandeln«, sagt Firlé. »Außerdem haben viele Hemmungen, gesehen zu werden.«

Im Knast ist es privater

Im alten Gefängnis ist es privater. Dort erscheint auch E.T. Der Yorkshire-Terrier zittert ein wenig als er von draußen reinkommt. Es ist kalt an diesem Samstag. Dabei hat der vier Monate alte Welpe ein knallgrünes Leibchen an. »Selbst gestrickt von meiner Oma«, erzählt Patricia Burks und lächelt. Ihre großen Kreolen glitzern im Schein der Deckenleuchten, der Kunstpelz um ihre Schultern wirkt im Halogenlicht noch unechter. E.T. braucht eine Impfung, »aber das kann ich mir kaum leisten«, sagt die junge Frau. »Sonst wird das Geld knapp.«

Vor dem kahlen Zimmer im Polizeigefängnis warten Hunde und Herrchen geduldig auf Einlass. Yogi, der auch eine Impfung braucht. Benji, der eine Lungenentzündung hat. Ihnen allen nimmt sich die Tierärztin an. Steht im kurzen lila Strickmini, Lederjacke und weißem Kittel hinterm schlichten grauen Tisch, hört die Tiere ab, setzt Spritzen. Immer freundlich.

Nur einmal, da schwingt ein wenig Ärger in ihrer Stimme. Als eine Mutter mit zwei Kindern hereinkommt und ihr die zwei Welpen Luca und Maximo vorsetzt. »Hartz IV und zwei Welpen – den Leuten ist oft nicht bewusst, was das kostet.« Aber auch Luca und Maximo bekommen ihre Spritzen, "denn sie sind ja jetzt nun mal da". Und schon ruft sie: »Der nächste bitte.«
www.tier-not-hilfe.de

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