Pressespiegel

Gerichte bleiben im Gerichtsviertel

Artikel vom:
28.05.2009
Quelle:
Main-Echo Aschaffenburg
Autor:
Eugen Emmerling
Kategorie:
Zeitung

Justiz: Minister Hahn bestätigt Standort an der Konstablerwache – Ehemalige Hausbesetzer im Polizeigewahrsam

Perspektive für Frankfurts Justiz: Das Gericht bleibt in der Innenstadt. Foto: Winfried Faust

FRANKFURT. Eine der aufgeregtesten städtebaulichen Frankfurter Diskussionen der letzten Jahre ist von Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn. (FDP) beendet worden: Die Justizbehörden bleiben auch in Zukunft an ihrem bisherigen Standort im Gerichtsviertel nahe der Konstablerwache.

Anlässlich eines Besuchs beim Landgericht Frankfurt hatte sich Hahn für den Verbleib der Justizbehörden ausgesprochen: »Eine bürgernahe Justiz gehört in das Zentrum einer Stadt. Die Gerichte werden daher am tradierten Standort an der Konstablerwache oberhalb der östlichen Zeil in Frankfurt bestehen bleiben«, präzisierte der Minister und beendete damit Überlegungen einer Verlagerung an die Adickesallee. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) begrüsste die Ankündigung des Ministers.

Stadt in der Stadt

Das Frankfurter Gerichtsviertel ist eine teils pittoreske Stadt in der Stadt. Beherrscht wird es durch den Backsteinbau des Justizpalastes, um den vier weitere Gerichtsbauten gruppiert sind, in denen das Oberlandesgericht das Land- und Amtsgericht die Generalstaatsanwaltschaft die Staatsanwaltschaft sowie die Amtsanwaltschaft und Teile des Justizprüfungsamtes untergebracht sind.

Als die Preußen 1866 die Freie Stadt Frankfurt okkupierten und aus »Bürgern« amtlicherseits bloße »Einwohner« wurden, begannen sie sofort mit der Planung eines neuen Gerichtsgebäudes. 1889 wurde der historisierende Bau als Symbol preußischer Justizmacht auf dem Klapperfeld nördlich der Ostzeil, nahe der Konstablerwache errichtet.

Um das Gericht herum existieren bis heute viele kleine Läden, Kneipen und Juristen-Treffpunkte, wie zum Beispiel das angesagte griechische Speiselokal »Exedra«. Zwei ganz unterschiedliche als »Architekturgräuel« geltende Bauten prägen daneben das Bild des Quartiers: Das unproportionierte Parkhaus an der Klapperfeldstraße und der alte Polizeigewahrsam schräg gegenüber, der von außen eher an den heruntergekommenen Knast in einem Entwicklungsland erinnert. Innen haben seit einigen Monaten die ehemaligen Hausbesetzer des Jugendzentrums Bockenheim (wir berichteten) eine Bleibe.

Eindrucksvoll gesichert

Die Frankfurter Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne), ehedem selbst der Hausbesetzerszene nahe, hatte sich vergangenes Jahr für den Einzug der Jugendlichen in »Frankfurts bestgesichertes Haus« stark gemacht. Wenn jetzt di-e Justiz bleibt wird wohl auch der heruntergekommene Polizeigewahrsam abgerissen werden müssen, um Raum für Erweiterungsbauten zu schaffen. Wie die Stadt allerdings die engagierten Hausbesetzer nach wenigen Monatenwieder aus ihrer mit Mauern' Fenstergittern, Stacheldraht und Stahltoren eindrucksvoll gesicherten Festung vertreiben kann, wird nicht nur im Rathaus Römer diskutiert.

Die Entscheidung für den Verbleib der Justiz ist injedem Fall zugleich eine Entscheidung für die längst überfällige städtebauliche Erneuerung des Gerichtsviertels und des »armen Endes der Zeil« - also der Ostzeil. Dort ist erst kürzlich ein ehemaliges Bordell zum Sitz des Gesundheitsamtes umgebaut worden und nun – wenige Meter vom Bürger- und Einwohnermeldeamt entfernt – Ziel vieler Besucher. Wenn die Justizbehörden in der Innenstadt bleiben, könnte sich das einstige Aschenputtel Ostzeil zu einem attraktiven Dienstleistungs- und Behördenquartier entwickeln.

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