Pressemitteilung – Initiative nimmt Stellung zu angebotenem Ersatzobjekt / Derzeitige Konditionen nicht akzeptabel

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Am Dienstag, den 27. Januar hat das Dezernat für Bildung und Frauen der Initiative »Faites votre jeu!« einen Teil des ehemaligen Gefängnisses »Klapperfeld« als Ersatzobjekt für das seit dem 2. August 2008 besetzte Haus in der Varrentrappstraße 38 angeboten. Die Initiative betreibt dort seitdem ein selbstverwaltetes Kunst- und Kulturzentrum. Das derzeitige Angebot des Bildungs­dezernats umfasst das Erdgeschoss und den Keller des Gebäudes in der Klapperfeldstraße 5; die Vertragslaufzeit soll zunächst zwei Jahre betragen.

Am Donnerstag, den 29. Januar und am Samstag, den 31. Januar haben zwei öffentliche Begehungen stattgefunden. Bei beiden Terminen machten sich insgesamt knapp 100 Interessierte ein Bild von den Räumlichkeiten. Der überwiegende Teil der Besucher_innen zeigte sich berührt von der bedrückenden Atmosphäre des ehemaligen Gefängnisses.

Der Bau wurde 1886 als Teil des preußischen Polizeipräsidiums fertiggestellt. In der NS-Zeit wurden dort bis 1943 Menschen von der Gestapo inhaftiert, gefoltert und ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude dennoch weiterhin als Gefängnis genutzt worden – so zum Beispiel in der Zeit der Studentenunruhen und bei den Protesten gegen die Startbahn West. Die überwiegend winzigen Zellen, die nach 1945 hauptsächlich für kurzzeitige Ingewahrsamnahmen genutzt worden sind, wurden in den letzten Jahren bis zur Schließung 2001 vor allem zur – zum Teil Monate lang andauernden – Inhaftierung von Abschiebehäftlingen genutzt. Nora Wildner, Sprecherin der Initiative, sagte dazu: »Die unreflektierte Nutzung eines Gebäudes, das in allen Epochen deutscher Geschichte zur Unterdrückung von Menschen genutzt wurde, kommt für uns selbstverständlich nicht in Frage. Sollten wir das Angebot der Stadt annehmen, sehen wir es auf Grund der Historie des Gebäudes als unsere Aufgabe, der Aufarbeitung der gesamten Geschichte des Gefängnisses angemessenen Raum zu geben.«

Zum nunmehr seit einem halben Jahr bestehenden selbstverwalteten Kunst- und Kulturzentrum in der Varrentrappstraße erklärte Matthias Schneider, Sprecher der Initiative: »In unserem Zentrum hat sich ein vielfältiges Programm weit über Ausstellungen oder Konzerte hinaus etabliert.« So haben seit dem 2. August 2008 neben den vielen regelmäßigen Terminen unter anderem Zeitzeugengespräche, diverse Lesungen, verschiedenste Workshops, Bildungs- und Informationsveranstaltungen stattgefunden. Zuletzt haben anlässlich des Jahrestags der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar weit über 100 Menschen an einem Vortrag von Prof. Dr. Micha Brumlik zur Entstehung von Antisemitismus teilgenommen. Matthias Schneider weiter: »Eine Veranstaltung wie die mit Micha Brumlik wäre in den zur Zeit angebotenen Räumen im Erdgeschoss des »Klapperfelds« nicht möglich. Derartige Veranstaltungen wären, wenn überhaupt, nur in den größeren Räumen in der oberen Stockwerken durchführbar.«

Jos Diegel, StuPa-Präsident und Mitglied des Senats der Hochschule für Gestaltung Offenbach widersprach der Darstellung des Bildungsdezernats, dass die Zellen im Erdgeschoss sehr gut als Produktionsräume für Kunstschaffende zu nutzen seien: »Es ist unter den gegebenen Umständen ohne bauliche Veränderungsmaßnahmen kaum vorstellbar, wie siebeneinhalb Quadratmeter kleine Zellen mit niedrigen Türen und ohne ausreichende Beleuchtung beziehungsweise Tageslicht als Ateliers für Künstlerinnen und Künstler zu nutzen sein sollen, geschweige denn angemessene Voraussetzungen und Atmosphäre für kreative Tätigkeiten bieten könnten.«

Derzeit hat die Initiative in der Varrentrappstraße 38 drei große und helle Ausstellungsräume, Ateliers und einen Streetart-Raum, ein Fotolabor und den Medienraum, Gruppen-, Veranstaltungs- und Konzerträume, einen Proberaum, einen Sport- und Trainingsraum, den »Roten Salon«, die »Kellerklause«, den Umsonstladen, eine Werkstatt, ein Büro und eine Küche geschaffen. Dazu Nora Wildner: »Für den Fall, dass wir in die Klapperfeldstraße umziehen sollten, muss gewährleistet werden, dass alle jetzigen Nutzungsmöglichkeiten erhalten bleiben. Bei einem eventuellen Umzug haben wir außerdem den Anspruch, der historischen Bedeutung des Gebäudes gerecht zu werden, was zusätzlichen Platz erfordert. Deshalb muss klar sein, dass die Initiative weit mehr nutzbaren Raum benötigt, als im Keller und Erdgeschoss des Gefängnisses vorhanden ist.«

Abschließend erklärte Matthias Schneider zu der vom Bildungsdezernat angebotenen Vertragslaufzeit von nur zwei Jahren: »Nicht nur die notwendigen und umfangreichen Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen, sondern auch die Wiedereinrichtung der der bereits bestehenden Räume und Projekte und vor allem die Auseinandersetzung mit der Geschichte des ehemaligen Gefängnisses »Klapperfeld« wären sehr langwierig und arbeitsintensiv. Bereits das Haus in der Varrentrappstraße haben wir mit viel Engagement, Zeit und Geld wieder nutzbar gemacht und dort unser selbstverwaltetes Kunst- und Kulturzentrum etabliert. Deshalb muss Jutta Ebeling und den Vertreterinnen und Vertretern der Stadt bewusst sein, dass ein solcher erneuter Aufwand nur dann sinnvoll ist, wenn wir eine langfristige Nutzung garantiert bekommen.«

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